Angemessene Geschwindigkeit – was bedeutet das?Mal ehrlich, ärgern Sie sich nicht auch über die Geschwindigkeitsbegrenzungen
innerorts? Man kann ja gar nicht mehr richtig fahren. Immer diese lästigen
Tempo 30-Zonen, in denen sowieso viel zu häufig geblitzt wird. Tempo 50
wäre doch auch okay... oder etwa nicht? Wieso also nur mit Tempo 30 oder Schrittgeschwindigkeit fahren?1. Der Sicherheitsaspekt:a) Geringere GeschwindigkeitsdifferenzenWenn Autofahrer mit 30 km/h fahren sind sie nicht viel schneller als Fahrradfahrer. Das hat den großen Vorteil, dass durch die geringere Geschwindigkeitsunterschiede Kollisionen zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern deutlich seltener werden. Und falls es doch zum Unfall kommt, dann ist die Aufprallenergie und damit die durchschnittliche Unfallschwere deutlich geringer als bei Tempo 50.
Sinn und Zweck der „Verkehrsberuhigten Bereiche“ ist
dem umgangssprachlichen Begriff „Spielstraße“ genau zu entnehmen: Hier
sollen Kinder sicher spielen können! b) kürzerer AnhaltewegWenn ein Autofahrer sein Auto schnell zum Halten
bringen muss, ist die gefahrene Geschwindigkeit entscheidend. Fährt
er 30km/h, dann steht sein Fahrzeug nach ca. 17 Metern, vorausgesetzt
die Fahrbahn ist trocken und sauber. Das sind noch mindestens drei
Autolängen.
Übrigens: Ein Autofahrer haftet bei Unfällen
mit Kindern unter 10 Jahren, sogar wenn das Kind den Unfall fahrlässig
verursacht hat – beispielsweise, wenn es ohne zu schauen auf die Straße
gelaufen ist. Wird das Kind bei dem Unfall verletzt, hat der Autofahrer
bzw. dessen Versicherung Schadensersatzzahlungen an das Kind – je
nach Verletzungsgrad und evtl. bleibenden Schädigungen – zu leisten.
c) Sichere ÜberquerbarkeitDurch die langsamere Geschwindigkeit und den geringeren Anhalteweg
wird es für Fußgänger einfacher, die Straße sicher zu überqueren.
Das ist ganz besonders wichtig für Kinder, die aufgrund ihres Alters
einfach noch nicht in der Lage sind, Situationen und Geschwindigkeiten
im Verkehr zu koordinieren und sich entsprechend richtig zu verhalten.
2. Der Umwelt- und Wohlfühlaspekt:a) weniger LärmWenn Autofahrer mit Schrittgeschwindigkeit oder Tempo 30 fahren, dann
müssen sie vor Kreuzungen weniger stark abbremsen und anschließend ihr
Auto weniger beschleunigen. Der gesamte Verkehrsfluss wird dadurch gleichmäßiger. b) geringerer KraftstoffverbrauchNoch interessanter für Autofahrer selbst: Wenn man durch eine gleichmäßigere Fahrweise weniger beschleunigt und auch weniger abbremst, dann werden natürlich auch weniger Abgase produziert und der Verschleiß der Bremsen verringert. Und im Umkehrschluss: Autofahren wird billiger, denn es wird weniger Kraftstoff verbraucht! c) AufenthaltIn einem Verkehrsberuhigten Bereich oder in einer Tempo-30-Straße kann
man sich gut mit seinem Nachbarn unterhalten ohne sich anschreien zu müssen
oder man kann in Ruhe im Garten sitzen. Kinder können auf Gehwegen oder
im Verkehrsberuhigten Bereich spielen, Rad fahren üben und toben, ohne
sich zu gefährden. Die Aufenthaltsqualität im Straßenraum wird deutlich
besser. Dabei helfen hierbei natürlich auch die baulichen Veränderungen,
welche häufig mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen einhergehen. 3. Der angebliche ZeitverlustWie viel Zeitgewinn bringt es einem Autofahrer
wirklich, wenn er schneller fährt als erlaubt? Fährt er beispielsweise
auf einem Straßenabschnitt von 200 m mit Tempo 50 anstatt Tempo 30, ist
er noch nicht mal 10 Sekunden schneller. Das sind verschwindend geringe
Bruchteile (ca. 0,01%) eines Tages!
Was können Sie tun?
Der nachgewiesene ErfolgSeit mehreren Jahrzehnten werden verkehrsberuhigende Maßnahmen realisiert – am häufigsten Tempo-30-Zonen und Verkehrsberuhigte Bereiche („Spielstraßen“). Seitdem beweisen sie immer wieder ihren Erfolg hinsichtlich gesunkener Unfallzahlen und Anwohnerzufriedenheit. |